{"id":3579,"date":"2026-06-15T10:46:50","date_gmt":"2026-06-15T08:46:50","guid":{"rendered":"https:\/\/hofstadler-construction-experts.com\/?post_type=news&#038;p=3579"},"modified":"2026-06-19T09:52:19","modified_gmt":"2026-06-19T07:52:19","slug":"fachkraftemangel-bauwesen-eine-frage-der-demografie-oder-des-images","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/hofstadler-construction-experts.com\/en\/news\/fachkraftemangel-bauwesen-eine-frage-der-demografie-oder-des-images\/","title":{"rendered":"Fachkr\u00e4ftemangel Bauwesen: Eine Frage der Demografie \u2013 oder des Images?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen wird h\u00e4ufig als rein demografisches Problem beschrieben. Die geburtenstarken Jahrg\u00e4nge gehen in Pension, die Zahl der jungen Erwerbst\u00e4tigen sinkt \u2013 und offene Stellen bleiben unbesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch greift diese Erkl\u00e4rung zu kurz?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Technische Universit\u00e4t Graz wurde dieser Frage differenzierter nachgegangen. Grundlage war eine Masterarbeit von Patrick Stallinger am Institut f\u00fcr Baubetrieb und Bauwirtschaft, betreut von Dipl.-Ing. Dr.techn. Markus Kummer. Ziel war es, den <strong>Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen<\/strong> nicht nur statistisch zu erfassen, sondern auch die Erwartungen junger Menschen systematisch zu analysieren \u2013 und mit der Sichtweise von Bauunternehmen zu vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis: Die Lage ist ernst \u2013 aber keineswegs hoffnungslos.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die strukturelle Ausgangslage in \u00d6sterreich<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Branchenstatistiken zeigen seit Jahren eine hohe Betroffenheit der Bauwirtschaft vom Fachkr\u00e4ftemangel. Mehr als 60 % der offenen Stellen bleiben laut Erhebungen l\u00e4nger als sechs Monate unbesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig verdeutlicht die demografische Entwicklung eine strukturelle Verschiebung: Die Zahl der Personen im erwerbsf\u00e4higen Alter (15\u201364 Jahre) wird bis 2040 leicht zur\u00fcckgehen, w\u00e4hrend die Zahl der Pensionierungen steigt. Erfahrungswissen geht verloren, Nachwuchs r\u00fcckt nicht im gleichen Ausma\u00df nach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Demografie allein erkl\u00e4rt nicht alles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Blick auf die Hochschulen zeigt: W\u00e4hrend die Gesamtzahl der Studierenden in \u00d6sterreich steigt, sind die Studienanf\u00e4ngerzahlen im Bauingenieurwesen r\u00fcckl\u00e4ufig. An der Technische Universit\u00e4t Wien, der Technische Universit\u00e4t Graz und der Universit\u00e4t Innsbruck ist der Peak \u00fcberschritten, die Zahlen stagnieren oder sinken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen ist daher nicht nur ein Mengenproblem \u2013 sondern zunehmend auch ein Attraktivit\u00e4tsproblem.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was die junge Generation wirklich will<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zuge der Studie wurden drei Gruppen befragt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sch\u00fcler von Bautechnik-HTLs<\/li>\n\n\n\n<li>Studierende des Bauingenieurwesens<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fchrungskr\u00e4fte aus Bauunternehmen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Ein zentrales Ergebnis: <strong>Die Branchenloyalit\u00e4t ist h\u00f6her als oft angenommen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">89 % der Studierenden m\u00f6chten nach dem Abschluss in der Baubranche bleiben. Bei HTL-Sch\u00fclern sind es 61 %, weitere 25 % sind unentschlossen. Das bedeutet: Das Potenzial ist vorhanden \u2013 aber nicht selbstverst\u00e4ndlich gesichert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was f\u00fcr die Branche spricht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wichtigste Gr\u00fcnde f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit im Bauwesen nennen junge Menschen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Abwechslung zwischen B\u00fcro und Baustelle<\/li>\n\n\n\n<li>Die Faszination, \u201eeinen Plan in die Wirklichkeit umzusetzen\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>Das generelle Interesse am Thema Bauen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das sind starke, intrinsische Motive. Interessanterweise wird Nachhaltigkeit zwar als gesellschaftlich wichtig wahrgenommen, aber nicht prim\u00e4r als Einstiegsargument genannt. Hier scheint ein Kommunikationsdefizit zu bestehen: Die Rolle des Bauwesens als zentraler Hebel f\u00fcr Klimaschutz, Ressourcenschonung und nachhaltige Infrastruktur ist offenbar noch nicht ausreichend verankert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mythos Work-Life-Balance: Realit\u00e4t und Wahrnehmung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft wird der Generation Z pauschal unterstellt, sie wolle \u201eweniger arbeiten\u201c. Die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Zwei Drittel w\u00fcnschen sich eine Wochenarbeitszeit zwischen 36 und 40 Stunden.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Mehrheit ist bereit, drei bis f\u00fcnf \u00dcberstunden pro Woche zu leisten.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00dcber 40 % der Studierenden akzeptieren sogar mehr als f\u00fcnf \u00dcberstunden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die Vorstellungen der Nachwuchskr\u00e4fte decken sich damit erstaunlich stark mit den Angaben der Unternehmen \u00fcber tats\u00e4chlich anfallende \u00dcberstunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine klare Erwartungshaltung hinsichtlich Flexibilit\u00e4t:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Mehr als die H\u00e4lfte bevorzugt ein Modell mit Vier-Tage-Woche.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleitzeit und Homeoffice werden stark nachgefragt.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der wichtigste abstrakte Wunsch.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Hier entsteht kein radikaler Bruch mit bestehenden Strukturen \u2013 sondern der Wunsch nach planbarer Flexibilit\u00e4t und moderner Arbeitsorganisation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wo das Image kippt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen die Branche sprechen aus Sicht jener, die sich gegen eine T\u00e4tigkeit im Bauwesen entscheiden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Zu viel Stress<\/li>\n\n\n\n<li>Zu viele Wochenstunden<\/li>\n\n\n\n<li>Teilweise zu geringe Verdienstaussichten<\/li>\n\n\n\n<li>Und \u2013 besonders bemerkenswert \u2013 fehlendes Interesse am Thema \u201eBauen\u201c<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Letzteres ist insbesondere bei HTL-Sch\u00fclern auff\u00e4llig, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Offenbar gelingt es nicht immer, w\u00e4hrend der Ausbildung langfristige Begeisterung f\u00fcr das Berufsfeld zu verankern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen ist damit auch ein Kommunikationsproblem: Die Branche wird zwar als anspruchsvoll wahrgenommen, aber nicht immer als sinnstiftend und zukunftsorientiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Unternehmen zwischen Angebot und Erwartung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer interessanter Befund betrifft klassische \u201eBenefits\u201c. Betriebsausfl\u00fcge, Firmenhandys oder Mitarbeiterfeste spielen f\u00fcr junge Menschen eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Firmen-PKW mit Privatnutzung<\/li>\n\n\n\n<li>Technische Weiterbildung<\/li>\n\n\n\n<li>Flexible Arbeitszeitmodelle<\/li>\n\n\n\n<li>Nachhaltigkeitsorientierung<br><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Besonders bemerkenswert ist, dass Nachhaltigkeit h\u00f6her bewertet wird als viele monet\u00e4re Zusatzleistungen. Die junge Generation erwartet nicht nur ein Einkommen, sondern auch einen Beitrag zu einer sinnvollen gesellschaftlichen Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade hier liegt eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr die Bauwirtschaft: Kaum eine Branche gestaltet Lebensr\u00e4ume so unmittelbar und nachhaltig wie das Bauwesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was bedeutet das f\u00fcr den Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse legen nahe, dass der Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen in \u00d6sterreich aus drei Ebenen gespeist wird:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Strukturelle Demografie<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>R\u00fcckl\u00e4ufige Studierendenzahlen in bauspezifischen F\u00e4chern<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ein teilweise \u00fcberholtes Branchenimage<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die junge Generation ist leistungsbereit, interessiert und grunds\u00e4tzlich offen f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit im Bauwesen. Sie fordert jedoch Transparenz, Flexibilit\u00e4t und eine glaubw\u00fcrdige Positionierung der Branche als innovativ und nachhaltig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">New Work ist dabei kein modischer Zusatz, sondern ein Instrument zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit im Arbeitnehmermarkt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein positiver Ausblick<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bauwirtschaft steht vor enormen gesellschaftlichen Aufgaben: Klimaanpassung, Ressourcenschonung, nachhaltige Infrastruktur, Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade technisch ausgebildete junge Menschen k\u00f6nnen hier einen entscheidenden Beitrag leisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen ist daher nicht nur eine Bedrohung, sondern auch ein Weckruf:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es gelingt, das Berufsbild moderner, innovativer und nachhaltiger zu kommunizieren \u2013 und gleichzeitig Arbeitsmodelle zeitgem\u00e4\u00df weiterzuentwickeln \u2013, kann die Branche wieder st\u00e4rker als attraktives Zukunftsfeld wahrgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorliegenden Ergebnisse liefern daf\u00fcr eine empirisch fundierte Grundlage \u2013 und einen klaren Denkansto\u00df f\u00fcr Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Entscheidungstr\u00e4ger gleicherma\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fachkr\u00e4ftemangel im Bauwesen wird h\u00e4ufig als rein demografisches Problem beschrieben. 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